“Die Ukraine ist eine Leiche” – Kiews Propagandisten fliehen aus dem Land

Quelle: AFP © Chung Sung-JunSymbolbild
Von Wladimir Kornilow
The Times betont einen drastischen Kontrast zu den Emotionen, die in Kiew Ende des vergangenen Jahres herrschten.
Bild,Times berichtete:
“Die offiziellen Aussagen passen immer weniger zu dem Bild, das offiziell in Pressekonferenzen oder Interviews gezeichnet wird.”
Meine drei Tage in der Ukraine, in denen ich neben Verteidigungsminister Umerov noch einige weitere Offizielle und Militärs getroffen habe, haben mir besonders eines gezeigt: Die offiziellen Aussagen passen immer weniger zu dem Bild, das offiziell in Pressekonferenzen oder…
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Und nun schockierte Petschij sein Publikum mit der Ankündigung:
“Ich habe eine für mich schwierige Entscheidung getroffen und verstehe, dass mich in der Ukraine öffentliche Missbilligung erwartet.”
Der Propagandist behauptete, dass er in Europa bleibe, um “die ukrainische Agenda in der westlichen Gesellschaft zu fördern.” So also nennt man heute Fahnenflucht.
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An dieser Stelle sei betont, dass es für Männer im wehrfähigen Alter sehr schwierig ist, die Ukraine zu verlassen. Die Menschen greifen zu allen möglichen Kniffen, um aus diesem kollektiven Gefängnis zu fliehen. Manche geben sich als Frauen aus; manche versuchen, kolossale Bestechungsgelder zu zahlen, um die Grenze zu passieren; manche riskieren ihr Leben bei der Durchquerung von Wäldern und Flüssen in den Karpaten; manche schließen fiktive Ehen mit Frauen mit Behinderungen oder kinderreichen Müttern. Gerade weil sie wissen: Wenn sie an die Front geschickt werden, werden sie nicht einmal einen Funknamen erhalten.
Wenn es schon dem Ex-Präsidenten Pjotr Poroschenko nicht gelang, sein Land zu verlassen, haben rangniedrigere Bürger noch viel weniger Chancen dazu. Petschij fand einen Weg. Nun nennen ihn Kollegen einen “Helden der Kesselschlacht von Brüssel” und vermuten, dass die ukrainischen Medien von nun an hauptsächlich Frauen auf Auslandsdienstreisen schicken werden. Alle verstehen, dass Petschijs Mitstreiter auf dem Feld der Propaganda ihm folgen könnten.
Die Flucht aus der Ukraine wurde zu einem Massenphänomen. Der Stand-up-Komiker Andrei Schtschegel, der das Land in diesem Jahr verließ, verkündete unverblümt:
“Es ist die Wahl der Jungs, zu sterben.”
Er selbst habe es vorgezogen, “wie eine Ratte zu fliehen” (im Original nutzte Schtschegel ein derberes Verb). Vor Kurzem räumten ukrainische Medien selbst ein, dass 40 bis 60 Prozent der Diplomaten nicht von Auslandsdienstreisen zurückkehrten. Auch wenn das Außenministerium in Kiew diese Angaben eifrig dementierte, glaubten nur wenige daran: Offizielle Ankündigungen werden immer weniger für bare Münze genommen. Und ganz sicher wird die Flucht derjenigen, die diese offiziellen Ankündigungen nicht nur verbreitet, sondern generiert haben, das Vertrauen nicht stärken.
Das Schiff der ukrainischen Staatlichkeit geht rapide unter. Gerade deswegen nutzen die Ratten jede Möglichkeit, um dieses Schiff zu verlassen. Was mit denjenigen passiert, die ihretwegen an unmögliche “Siege” zu glauben begannen, kümmert sie ganz und gar nicht:
“Mögen jetzt die Toten ihre Toten begraben.”
Aus New York oder Brüssel kann man jetzt freilich mit ruhiger Stimme, ohne einen Hauch von Verantwortlichkeit für diese Toten zu spüren, die Wahrheit sagen.
Übersetzt aus dem Russischen und zuerst erschienen bei RIA Nowosti.
Wladimir Kornilow ist ein sowjetischer, ukrainischer und russischer Politologe, Geschichtswissenschaftler, Journalist, Schriftsteller und gesellschaftlicher Aktivist. Ehemals Leiter der ukrainischen Filiale des Instituts der GUS-Staaten in Kiew und Leiter des Zentrums für Eurasische Studien in Den Haag. Nach seiner scharfen Kritik am Euromaidan musste er aus der Ukraine flüchten und arbeitet seit 2017 als Kolumnist bei Rossija Sewodnja. Er führt eine Telegram-Kolumne zu aktuellen politischen Nachrichtenanlässen.